Warten auf besseres Wetter

Die Chefarztvisite fällt kurz und knapp aus.
So wie eigentlich immer.
„Und? Wie geht’s?“
„Gut.“
„Was macht der Bauch?“
„Keine Bauchschmerzen.“
„Keine Bauchschmerzen, das ist gut.“

Der Professor reicht mir die Hand und sagt dieses Mal zum Abschied locker, flockig und sehr fröhlich mit Blick aus dem Fenster:
„Ja, dann warten wir jetzt auf besseres Wetter.“

Hää? Besseres Wetter?
Ich bin für einen Augenblick irritiert und sprachlos.
Ich rechne mit Allem, aber nicht mit diesem Satz.
Antworte zögerlich:
„Ja,… nicht nur da drauf.“

Je länger ich darüber nachdenke, um so amüsanter wirkt dieser Augenblick auf mich.
Himmel, Arsch und. …
Ich warte auf Alles, aber auf besseres Wetter?
Noch ein Frühling?
Noch ein Sommer?
Wahrscheinlich nehme ich die Worte zu wörtlich.
Schließlich warte ich auf Veränderung.
Auf eine positive Veränderung.

Ich mag den Professor sehr.
Er strahlt.
Er strahlt Fröhlichkeit und eine beruhigende Väterlichkeit aus.
Er hat immer ein offenes Ohr für mich.
Ermöglicht meinem Kind und mir die Freiräume, die für uns möglich sind.
In den kurzen Visiten wirkt er immer gut gelaunt, seine kleinen Augen leuchten, sein Lächeln wirkt wie eine kleine Sonne auf mein Gemüt.

Ich beschließe, „schönes Wetter“ zu einer meiner Standardantworten zu machen.
Ich lache.
Wirklich.
Ich liege hier und lache mich innerlich schlapp.
(Vielleicht werde ich auch langsam verrückt, wer weiß das schon so genau.)